Jemanden zu begrüßen ist das Erste, was man auf Deutsch überhaupt tut — und die erste Stelle, an der Lernende danebengreifen. Nicht weil die Wörter schwer wären, sondern weil es im Deutschen kein einziges «Hallo» gibt. Was man sagt, hängt von der Tageszeit ab, davon, mit wem man spricht, und mehr als in fast jeder anderen europäischen Sprache davon, wo im deutschsprachigen Raum man gerade steht.
Sag Guten Tag in einer Hamburger Bäckerei, und du klingst wie ein Nachrichtensprecher. Sag Moin in München, und man lächelt über den Zugereisten. Sag Hallo zur neuen Chefin, und du warst schon eine Spur zu locker.
Hier sind die 10 Begrüßungen, die wirklich benutzt werden — mit Audio, Förmlichkeit und Region. Tippe auf eine beliebige, um eine Muttersprachlerstimme zu hören.
👋 Die 10 deutschen Begrüßungen
1. Hallo — der sichere Standard
Neutral, funktioniert überall, zu jeder Uhrzeit, mit fast jedem. Wenn du dir von dieser Seite ein Wort merkst, dann dieses.
2. Guten Tag — die höfliche
Förmlich, respektvoll, vom späten Vormittag bis zum frühen Abend. Geschäfte, Büros, Arztpraxen, Fremde.
3. Guten Morgen — vor Mittag
Bis etwa 11 Uhr. Die Grenze wird im Deutschen deutlich ernster genommen als etwa im Englischen — «Good morning» um 14 Uhr bringt eine hochgezogene Augenbraue ein.
4. Guten Abend — ab etwa 18 Uhr
Abendbegrüßung. Restaurants, Hotelrezeptionen, überall dort, wo man nach Einbruch der Dunkelheit ankommt.
5. Moin — der Norden
Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen. Trotz der Ähnlichkeit zu Morgen ist es keine Morgenbegrüßung — im Norden sagt man es um 6 Uhr genauso wie um 23 Uhr. Verdoppelt, Moin Moin, klingt es noch freundlicher.
6. Grüß Gott — der Süden
Bayern und Baden-Württemberg. Wörtlich religiös, aber längst nicht mehr so gehört — es ist schlicht die höfliche Begrüßung im Süden, wo Guten Tag steif und importiert klingen kann.
7. Servus — Bayern und Österreich
Herzlich, informell und ungewöhnlich praktisch: es heißt sowohl hallo als auch tschüss. Unter Freunden in München, Salzburg und Wien der Normalfall.
8. Grüezi — die Schweiz
Die schweizerdeutsche Begrüßung. Höflich, gegenüber Fremden und im Laden in der ganzen Deutschschweiz.
9. Wie geht's? — Begrüßung plus echte Frage
Informell. Der Punkt, an dem englischsprachige Lernende stolpern: im Deutschen ist das eine echte Frage, keine Floskel. Es kommt eine echte Antwort.
10. Na? — das Hallo mit einer Silbe
Sehr salopp, sehr deutsch. Unter Freunden heißt es «und, was geht?» — und ein zurückgegebenes Na? ist bereits ein vollständiges Gespräch.
📊 Welche Begrüßung, wo, wann
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🤝 Die du/Sie-Regel entscheidet alles
Das Deutsche teilt die Anrede in zwei — und diese Teilung reicht bis in die Begrüßung zurück.
- Sie — die förmliche Anrede. Fremde, ältere Menschen, Behörden, alle im Beruf, die das Du noch nicht angeboten haben. Passt zu Guten Tag, Guten Morgen, Guten Abend, Grüß Gott, Grüezi.
- du — die informelle Anrede. Freunde, Familie, Kinder, im sozialen Kontext die meisten unter 30. Passt zu Hallo, Moin, Servus, Na?, Wie geht's?
Important
Der sichere Weg für Lernende: mit Sie und Guten Tag anfangen. Das Du wird angeboten, wenn es so weit ist — eine Spur zu förmlich kostet nichts, eine Spur zu locker bei der falschen Person kostet den ganzen Raum.




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⚠️ Die zwei Fehler, die Anfänger immer machen
1. «Wie geht's?» wie eine Floskel behandeln
Im Englischen erwartet «How are you?» keine Antwort. Im Deutschen schon. Wer es beiläufig fragt, bekommt einen ehrlichen Wochenbericht — und genau da frieren die meisten Lernenden ein.
2. Das falsche Register bei Fremden
Hallo zur Verkäuferin ist in Ordnung. Na? zur Verkäuferin nicht. Registerfehler sind der schnellste Weg, unhöflich zu wirken, ohne irgendetwas gemeint zu haben.
Notes
Bonusfehler: das End-g in Tag hart aussprechen. Es wird im Auslaut zu einem k verhärtet — «Tak».
🗣️ Lesen ist nicht Sprechen
Alle zehn hat man in etwa vier Minuten auswendig. Eine davon einem Menschen laut zu sagen, im richtigen Moment, in der richtigen Region, ohne zwei Sekunden Pause davor — das ist eine völlig andere Fähigkeit, und keine Liste im Internet baut sie auf.
Genau in dieser Lücke bleiben die meisten Deutschlernenden stecken. Sie erkennen Grüß Gott. Gesagt haben sie es nie.
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🎯 Die Kurzfassung
Hallo überall. Guten Tag, wenn es zählt. Moin im Norden, Grüß Gott im Süden, Servus in Bayern und Österreich, Grüezi in der Schweiz. Mit Sie anfangen, das Du abwarten — und daran denken, dass Wie geht's? eine echte Antwort erwartet.
Und dann eine davon laut sagen.